Chile: Juli 2015

Freitag, 31. Juli 2015


Es ist schon ein verdammt komisches Gefühl, auf das Datum zu schauen und jedes Mal dabei schockiert noch abzuzählen wie viel Tage einem eigentlich noch bleiben.
Es ist 01:30 und ich weiß, dass ich morgen wie immer um 7.30 aufstehen muss um arbeiten zu gehen. Aber ich kann sowie so nicht einschlafen, denke ich mir, da kann ich auch genau so gut mal wieder einen Blogeintrag schreiben - das habe ich schon lange nicht mehr gemacht.
Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich meinen Abschlussbericht für die Fundación Cristo Vive geschrieben, und auf 3 Seiten Text festgestellt, dass ich eigentlich nicht gehen will.
Die letzen Wochen und Tage waren die reinste Berg und Talfahrt. Es gab nicht selten Tage, bei denen ich mich so komisch Gefühlt habe.. als würde ich Alles als Außenstehender betrachten, vollkommen nicht auf dieser Welt. Es ist leicht gesagt " Genieß die letzten Wochen noch mal richtig", wie soll man denn die letzten Wochen genießen, wenn man immer eine tickende Zeitbombe im Kopf hat, jedes mal wenn man was gemacht hat, denkt," hm das war jetzt auch das letzte mal..".
Es ist verdammt schwer einfach so ein Leben, das man sich ein Jahr lang aufgebaut hat, aufzugeben. 
Ich denke es wird immer deutlicher, was für einen unglaublich großen Platz Chile in meinem Herz eingenommen hat. Ich hatte noch niemals in meinem Leben Heimweh, ab dem 10. August werde ich wohl welches haben.. 
Ich habe dieses Jahr nicht selten gelernt, ungeschickte Situationen mit Freude und Zuversicht zu lösen, dass in Deutschland 96 % Jammern auf aller höchstem Niveau ist und dass wir Deutschen generell gerne unter unseren Luxusproblemen leiden. Ich weiß noch gar nicht, wie ich in Situationen reagieren werde, in denen sich Leute bspw. über ein zu kleines Auto beschweren, wenn ich junge 19 jährige Frauen kennengelernt habe die mit einem Kindergeld von 7 Euro und unbezahltem Praktika ihre 1 jährige Tochter durchbringen müssen.

Der Kulturschock in Deutschland bereitet mir noch ein bisschen Sorgen, und ich bin gespannt wie das denn alles wird. Aber ganz nach dem Motto "Mit jedem Ziel beginnt ein neues Rennen" werde ich das wohl auch noch meistern. Ich sollte das ganze als menschliche Globalisierung sehen, und versuchen, alles das, was mir in Deutschland fehlen wird, einfach mitzubringen. Auch weiß ich ganz genau, dass ich Deutschland eigentlich nicht brauch um mich wohl zu fühlen - zumindestens ist das gerade noch so. 

Dieses Jahr war einfach unglaublich, und bis jetzt das schönste Jahr, dass ich jeh erleben durfte. Ich kann gar nicht ausdrücken wie Dankbar ich für all die Erfahrungen bin, die ich machen durfte und für die Menschen, die ich kennen lernen durfte. Das ist wie ein großes Kunstwerk,dass ich nun in meinem Gepäck mitnehmen darf, dass aus ganz vielen strahlend schönen Momenten besteht. Und im Gegensatz zu "Agnes"( Peter Stamm ) hat das Bild keinen einzigen Strich sondern nur Punkte.


Chile, eso no fue una despedida para siempre!