Chile

Donnerstag, 5. März 2015





Die nächsten Einträge werden sich nun ausschließlich um meine 2-wöchige Reise durch den Süden Chiles drehen. Da ich aber ungern alles in einem Post unterbringen will, weil ich jeder Station ihre gebührende Aufmerksamkeit zukommen lassen will, werde ich in Tagebuch Form Station für Station veröffentlichen. Viel Spaß beim Lesen, vielleicht bekommt der Ein oder Andere ja Fernweh.


Tag 1
Es gibt Chile und Santiago – das ist der erste Gedanke, den ich habe, als ich bei Nebel und Regen nach einer 11 stündigen Nachtfahrt auf einem kleinen Busbahnhof in Osorno aussteige. Knapp die Hälfte der Chilene wohnt in Santiago, und somit ist der Rest Chiles unglaublich dünn besiedelt und alle Städte neben Santiago sind winzig und eben irgendwie chilenischer, kleiner, schmutziger und anders - Osorno auch. Der Grund, warum wir hier die erste Station einlegen, ist der, dass der Cousin der Oma meiner Reisegefährtin ( und übrigens auch der Cousin von Schwester Karoline) hier in Osorno seine Misions-Gemeinde hat und wir aufgrund der Familienverhältnisse 3 Tage bei ihm im Pfarrhaus schlafen dürfen. Diese Übernachtungsmöglichkeit wird sich die nächsten Tage als absoluter Glücksgriff herausstellen.
Der Pater holt uns vom Busbahnhof ab und liefert uns im Pfarrhaus ab und sprintet dann in die Kirche um noch schnell die Messe zu halten. Im Pfarrhaus angekommen überkommt mich ein Heimatgefühl. Der Süden ist viel viel kälter als Santiago und mit dem Klima ändert sich auch die Architektur und der Stil. Im inneren des Hauses ist alles mit holzverkleidet und das Wohnzimmer könnte das, meiner Großeltern im Schwarzwald sein - sogar mit einem Kachelofen ausgestattet. Den ersten Tag Unternehmen wir nicht mehr viel. Das Wetter ist schlecht und wir sind noch müde von der langen Busfahrt. Ein wirklich prägendes Erlebnis ist, dass wir mit der Sekretärin des Pfarrers in den Armenvierteln Brot an Ferieneinrichtungen verteilen dürfen. So ein bisschen wie der Ferienzauber in Rottweil. Hier ist es so, dass die Jugendlichen der Gemeinden in den Vierteln, für die Kinder dort Mittagessen und Programm anbieten, deren Eltern sich Urlaub nicht leisten können. Und dadurch dass das bei ungefähr 90% der Fall ist, ist in den 5 Orten, zu denen wir fahren , ziemlich viel los. Ich weiß es nicht anders auszudrücken, aber man steigt hier mal ein bisschen von seinem santiagoner Ross. Die Armut ist hier schon noch mal extremer als in Santiago - bezogen auf die Häuser, die Kleidung, das durchschnittliche Einkommen. Ich bin unglaublich froh diese Erfahrung machen zu dürfen.





Tag 2


Nach einem gemütlichen Frühstück vor dem Kachelofen schlägt der Pater uns vor, dass wir mit ihm zusammen ans Meer fahren können. Er habe gegen 20.00 dort eine Messe und davor könnten wir durch die Küstenorte fahren und er zeigt uns ein bisschen was von der Gegend. Ein super Angebot. Ich reise gerne mit einheimischen und hasse es als Tourist zu reisen. Man sieht und erlebt einfach mehr, wenn man mit Menschen unterwegs ist, die die Region in und auswendig kennen. Außerdem sind wir nicht von den öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig, weil der Pater einen super Cheep besitzt.  Auf dieser Strecke verstehe ich dann auch warum im Süden alle Menschen solche riesigen Cheeps fahren. Bis auf die Autobahn dort ist alles ungeteert. Das heißt die Strecke bis zum Meer ist eine fröhliche Holperfahrt durch unbetastete Landschaften. Die Küste von Chile ist unglaublich schön! Irgendwie wild, schroff und natürlich. Wir fahren von Dörfchen zu Dörfchen über irgendwelche Abenteuerliche Schotterstrecken und der Pater erweist sich als lebender Audio-Guide und erzählt uns zur Kultur und Geschichte jedes noch so kleine Detail. 
Nachdem der Morgendliche Nebel aufgerissen ist, eröffnet sich uns ein atemberaubender Blick auf Küste und Meer. Was am Anfang echt komisch war, ist, dass Chile hier Landschaftlich sich nicht sehr von Mitteleuropa abhebt. Die Kuhwiesen, welche ich fotografiert habe, könnten genau so in Deutschland sein. Aber seht selbst:







Tag 3

Eigentlich wollten wir an diesem Tag schon weiter nach Chiloé reisen, aber der Pater hat uns ein Angebot gemacht, das wir unmöglich ablehnen können. Um 17.00 hat er in Pucón eine Hochzeit, pucón ist mit dem auto so ca. 4-5 Stunden entfernt. Da könnten wir nach der Messe morgens hinfahren und abends wieder zurück. Und während er die Hochzeit hat würde er uns bei Pucón irgendwo rauslassen. Dieser Teil des Südens wird Seenlandschaft genannt, und bei Pucón liegt auch einer der bekanntesten (und aktivsten siehe aktuelle Narichten) Vulkane Chile. Klar dass wir da nicht nein sagen und unseren Aufenthalt verlängern. Die Hinfahrt dauert 6 Stunden, weil unser immer redender Audio-Guide irgendwelche Schleichwege fährt um uns die schönsten Blicke auf die wunderschöne Landschaft dort zu ermöglichen! Er lässt uns dann bei einem See oberhalb von Pucón raus und wir genießen einen wunderschön sonnigen und klaren Nachmittag an diesem See, der ein bisschen Norditalien oder Schweizfeeling aufkommen lässt.
Por fin kommen wir Nachts um halb 3 wieder in Osorno an, müde aber überglücklich diesen ort noch gesehen haben zu dürfen! Pucón wollte ich eigentlich noch einmal über ein verlängertes Wochenende anschauen - inklusive Vulkan. Dieser ist aber gestern ausgebrochen und die komplette Region ist gesperrt. Manchmal macht einem die Natur doch einfach einen Strich durch die Rechnung.






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