Chile: März 2015

Mittwoch, 25. März 2015



Tag 9

Heute machen wir eines der Highlights des Parkes. Wir steigen zu dem berühmten
„mirador las torres „ auf. Der einzige Tag, so nebenbei, an welchem wir wirklich
Höhenmeter laufen. Ich meine es sind um die 800. Das Gepäck lassen wir am
Campingplatz, da wir noch eine Nacht dort schlafen. Für den Auf-­‐ und Abstieg muss
man eine Tagestour einplanen und somit ist nicht an einen Campingplatzwechsel an
diesem Tag zu denken. Wir laufen irgendwann zwischen 8-­‐9 Uhr los. Unser Gepäck
besteht aus Regenjacke, Vliespulli, einer Wasserflasche, Kamera, Vollkornsalamibrot
und Müsliriegeln. Alles irgendwo in Taschen verstaut, weil wir keinen Rucksack
mitnehmen wollen. Den kompletten Aufstieg Wechsel ich eigentlich ständig meine
Jacken, zieh mal beide an, mal keine... Schwitz mich zu Tode, friere. Das liegt daran
dass man teilweise wie durch ein Valley läuft, durch das der Wind so stark bläst, dass
wir manchmal abwarten müssen um überhaupt weiter laufen zu können, teilweise
stolpert man Schotterfelder in der prallen Sonne hinauf. Ich bin unglaublich froh, dass
wir diesen Weg ohne Rucksack laufen. Wir passieren nämlich zwei Campingplätze auf
diesem Weg, die sowieso voll belegt waren, aber hätte ich die Möglichkeit gehabt dort
zu übernachten, hätte ich es trotzdem gelassen. Der einzige Vorteil besteht darin, dass
man morgens von dort aus schneller bei den torres ist und, wenn das Wetter mitspielt,
einen atemberaubenden Sonnenaufgang genießen darf. Aber um diesen Aufstieg mit
16 Kilo durchzuziehen haben mir meine Eltern etwas zu wenig Naturburschengene und
zu viel Bequemlichkeit vererbt.
Besonders beeindrucken, während des kompletten Aufstieges, ist der ständige
Panoramablick über die Landschaft. Ich kann gar nicht damit aufhören an jeder Ecke
zu verkündigen, dass das alles so unwirklich ist und aussieht, wie vom Computer
animiert, und wahnsinnig schön und unglaublich ergreifen und Blablablabluuub. Wir
haben strahlend blauer Himmel und das Wetter tut natürlich viel für die Atmosphäre.
Auf diesen Weg, machen sich, überraschender Weise, auch zum ersten Mal die
Wandergene meines Vaters bemerkbar, denn ich spaziere munter vor mich her, und
merke immer erst viel zu spät, dass meine Reisegefährtin irgendwo in der
patagonischen Pampa zurückgeblieben ist. Ich hoffe sie verzeiht mir dafür.
Oben angekommen, bin ich vollkommen überwältigt. Ich denke das Blau des Sees dort, kann man weder in dem Bild so sehen noch wahrnehmen wie ich es gesehen habe! Und mit der Kulisse war der Moment in dem ich auf dieses Bild geschaut habe einfach genial!
Der Abstieg war dann nicht mehr ganz so anstrengend, und der ständige Panoramablick hat einen die Zeit und Anstrengung ganz vergessen lassen.













Donnerstag, 12. März 2015

The final Countdown!



Tag 7

Nach einer unglaublich entspannenden und angenehmen Nacht auf dem Flughafen ( NICHT ) schaffen wir es morgens um 7:00 Uhr mit viel Glück und ohne Reservierung in den ersten Bus vom Flughafen nach Puerto Natales.
Nach 4 Stunden Fahrt kommen wir in Puerto Natales an. Dieses Städtchen ist Ausgangspunkt für alle Touren in den Torres del Paine. Hauptsächlich leben die Menschen hier vom Tourismus des Nationalparks und es gibt unendlich viele Outdoorgeschäfte, gute Restaurants, Bars, Cafés und Hostals.
Blauer Himmel und ein wunderschönes Panorama empfangen uns an diesem Morgen. Das Hostal haben wir schnell gefunden und den Tag verbringen wir damit, noch die letzten Dinge zu erledigen. Ein Zelt muss gemietet , die Rucksäcke gepackt und der Bus für den nächsten Morgen reserviert werden. Abends fallen wir totmüde ins Bett uuuuuund Aufregund steigt.



Tag 8 

Gewicht des Rucksacks: 16 kg, Wetter: leichter Nieselregen, PERO con mucha buena ondaaa!

Im Bus fahren wir etwa 3 1/2 Stunden in den National Park über die Routa "fin del Mundo", also die Autobahn am Ende der Welt. Landschaftlich schon hier sehr beeindruckend. Angekommen, müssen wir erst einmal 3874092840238 Formulare ausfüllen und ein Video zu den Verhaltensregeln im Park anschauen. Vor ein paar Jahren gab es einen riesen großes Feuer im Torres del Paine, ausgelöst durch einen Touristen, welches mehrere quadratkilometer dieses Parkes zerstört hat! Die Folgen, wenn dich ein Ranger nur mit einem Streichholz in der Hand erwischt, kannst du mit einer Haftsstrafe bis zu 5 Jahren und Geldstrafen im 100.000 Bereich rechnen!

Vorne Weg, was sind eigentlich die Möglichkeiten, was macht man in diesem Park und warum um alles in der Welt trage ich 16 kilo mit mir herum:
Man trifft 3 Arten von Gruppen in diesem Park
- die hardcore Wanderer, die die " O-Tour" machen, welche so ca. 7-8 Tage dauert
- die normalen Menschen, die das W-Wandern, für welches man so 5-6 Tage einplant
- die 5 Sterne Touris, die sich überall hinkutschieren und bekochen lassen, und dafür einiges an Geld liegen lassen.

Was ich gemacht habe? Die W-TOUR. 5-Tage also 4 Nächte haben wir gebraucht. Auf dieser Karte sieht man unsere Route




Diesen Tag sind wir aufgrund des Wetters nur bis zur Hostería las Torres gelaufen und haben dort auf dem Campingplatz unser Zelt aufgeschlagen. Weil in Patagonien das Wetter ja immer verrückt spielt, hatten wir am Abend dann sogar noch blauen Himmel. Wir waren aber dann beide froh, am ersten Tag nur diese kurze Strecke gelaufen zu sein, denn an das Gepäck muss man sich erst einmal gewöhnen! Abends sind wir dann noch von unseren Nachbarn, einer organisierten Tour, zum 3 Gänge Menü eingeladen worden. Was eine sehr angenehme Alternative zu unserer Maggie Spargelcremesuppe war!






Montag, 9. März 2015



Tag 4

Mit dem Bus gings dann weiter nach Chiloé. Die Reisebusse in Chile sind wahnsinnig gut und billig! Für die 4 Stündige Fahrt nach Chiloé ( inklusive Fähre) haben wir etwa 10 Euro gezahlt.
So kommen wir gegen Mittag in Chiloé an. Nach einem etwas chaotischen Hin und Her, weil wir keine Hostals reserviert hatten, schlafen wir eine Nacht in einem Hostal und die 2. Nacht in einem anderen. Das tolle daran, beide Hostals sind im Lonely Plante empfohlen und einfach genial!
Das ist aber auch das einzig positive an Chiloé. Wir haben verdammt blödes Wetter und der Nebel und Regen nimmt Chiloé seinen berühmten Charme. Außerdem haben wir nur 2 Nächte auf Chiloé und somit keine Zeit die Nationalparks der Insel zu erkunden. Den ersten Tag laufen wir ein bisschen durch Ancud, der Stadt, in der unsere Hostals sind. Ancud ist ganz nett. Nach einem schockierende Spaziergang noch durchs Armenviertel der Stadt, kochen wir am Abend in der Hostalküche etwas.
Ich glaube, würde ich nicht in Santiago in so einem Viertel wohnen, hätte ich mich nie in dieses getraut. Und dieses dort ist schon echt heftig! Direkt am Meer, der beißende Wind den ganzen Tag, das Salz in der Luft und dann kleine Schäbige Wellblechhütten.. War wohl das Beeindruckenste, was ich von Chiloé mitnehme.
Den Abend verbringen wir gemütlich quatschend mit den ungefähr 99% deutschsprechenden Hostalbesuchern und geben ein paar Tipps über Chile und Santiago weiter.





Tag 5

Heute fahren wir nach Castro, der größten Stadt Chiloés. Nach einer morgendlichen Umzugsaktion ins neue Hostal, sitzen wir im Bus nach Castro. Immer noch ist die ganze Insel versteckt von Nebel und Regenwolken. Landschaftlich könnten wir auch von Rottweil nach Irslingen fahren. In Castro schauen wir die berühmte Kirche an, deren Innenarchitektur wirklich beeindruckend ist, und ich kann ,dank meines Kunstabiturs,  auch ein paar schlaue Kommentare abgeben.
Den restlichen Tag verbringen wir auf dem Handwerksmarkt von Castro, auf dem man wunderschöne Ohrringe, Alpakapullis und Co kaufen kann. Danach besuchen wir noch ein, im Reiseführer empfohlenes Café und trinken einen super leckeren Cappuchino.
Ich liebe den Süden für seinen Kaffee und seinen Kuchen! Und diese Dinge gibt es hier deshalb, weil in diesem Teil Chiles ein großer Anteil deutscher Einwanderer schon mehrer Generationen lebt.




Tag 6

An diesem Morgen wachen wir bei wunderschönem Sonnenschein auf, und ich denke nur: das darf nicht wahr sein! Gerade heute fährt unser Bus schon um 10.30 zurück ans Festland! Aber da kann man halt nichts machen. Wenigstens das super leckere Frühstück genießen wir bei Sonnenschein in unserem Hostal und genießen auf dessen Terrasse noch ein Stündchen schönes Wetter. Heute fahren wir nach Puerto Montt um dort für den Torres del Paine einzukaufen. Außerdem geht um 21.00 Uhr unser Flieger nach Punta Arenas.
Puerto Montt ist nicht schön, hat aber einen Jumbo. Jumbo, das ist hier der teuerste Supermarkt uuuund der einzige mit deutschen Lebensmitteln, sprich Lebensmitteln mit denen man eine 5 tägige Treckingtour durch einen Nationalpark übersteht. So wanderen hier Pumpernickel, Salami am Stück, Müsliriegel, Müsli etc. in unseren Einkaufswagen. Danach sitzen wir noch ein bisschen am großen Hafen von Puerto Montt und beobachten die ganzen Kreuzfahrtschiffe, die von dort aus ihre Reise nach Patagonien antreten. Abends geht es dann zum 20 km entfernten Flughafen. Unser Flug ist ruhig und verläuft gut. Diese Nacht verbringen wir auf dem Flughafen in Punta Arenas, da wir um 00.00 Uhr ankommen und Punta Arenas eine Stunde entfernt ist. Ein paar wenige Stunden mit einem vorfreudigen Kribbeln im Bauch. Morgen geht es los zum Highlight unserer Reise! Dem Torres del Paine.




Donnerstag, 5. März 2015





Die nächsten Einträge werden sich nun ausschließlich um meine 2-wöchige Reise durch den Süden Chiles drehen. Da ich aber ungern alles in einem Post unterbringen will, weil ich jeder Station ihre gebührende Aufmerksamkeit zukommen lassen will, werde ich in Tagebuch Form Station für Station veröffentlichen. Viel Spaß beim Lesen, vielleicht bekommt der Ein oder Andere ja Fernweh.


Tag 1
Es gibt Chile und Santiago – das ist der erste Gedanke, den ich habe, als ich bei Nebel und Regen nach einer 11 stündigen Nachtfahrt auf einem kleinen Busbahnhof in Osorno aussteige. Knapp die Hälfte der Chilene wohnt in Santiago, und somit ist der Rest Chiles unglaublich dünn besiedelt und alle Städte neben Santiago sind winzig und eben irgendwie chilenischer, kleiner, schmutziger und anders - Osorno auch. Der Grund, warum wir hier die erste Station einlegen, ist der, dass der Cousin der Oma meiner Reisegefährtin ( und übrigens auch der Cousin von Schwester Karoline) hier in Osorno seine Misions-Gemeinde hat und wir aufgrund der Familienverhältnisse 3 Tage bei ihm im Pfarrhaus schlafen dürfen. Diese Übernachtungsmöglichkeit wird sich die nächsten Tage als absoluter Glücksgriff herausstellen.
Der Pater holt uns vom Busbahnhof ab und liefert uns im Pfarrhaus ab und sprintet dann in die Kirche um noch schnell die Messe zu halten. Im Pfarrhaus angekommen überkommt mich ein Heimatgefühl. Der Süden ist viel viel kälter als Santiago und mit dem Klima ändert sich auch die Architektur und der Stil. Im inneren des Hauses ist alles mit holzverkleidet und das Wohnzimmer könnte das, meiner Großeltern im Schwarzwald sein - sogar mit einem Kachelofen ausgestattet. Den ersten Tag Unternehmen wir nicht mehr viel. Das Wetter ist schlecht und wir sind noch müde von der langen Busfahrt. Ein wirklich prägendes Erlebnis ist, dass wir mit der Sekretärin des Pfarrers in den Armenvierteln Brot an Ferieneinrichtungen verteilen dürfen. So ein bisschen wie der Ferienzauber in Rottweil. Hier ist es so, dass die Jugendlichen der Gemeinden in den Vierteln, für die Kinder dort Mittagessen und Programm anbieten, deren Eltern sich Urlaub nicht leisten können. Und dadurch dass das bei ungefähr 90% der Fall ist, ist in den 5 Orten, zu denen wir fahren , ziemlich viel los. Ich weiß es nicht anders auszudrücken, aber man steigt hier mal ein bisschen von seinem santiagoner Ross. Die Armut ist hier schon noch mal extremer als in Santiago - bezogen auf die Häuser, die Kleidung, das durchschnittliche Einkommen. Ich bin unglaublich froh diese Erfahrung machen zu dürfen.





Tag 2


Nach einem gemütlichen Frühstück vor dem Kachelofen schlägt der Pater uns vor, dass wir mit ihm zusammen ans Meer fahren können. Er habe gegen 20.00 dort eine Messe und davor könnten wir durch die Küstenorte fahren und er zeigt uns ein bisschen was von der Gegend. Ein super Angebot. Ich reise gerne mit einheimischen und hasse es als Tourist zu reisen. Man sieht und erlebt einfach mehr, wenn man mit Menschen unterwegs ist, die die Region in und auswendig kennen. Außerdem sind wir nicht von den öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig, weil der Pater einen super Cheep besitzt.  Auf dieser Strecke verstehe ich dann auch warum im Süden alle Menschen solche riesigen Cheeps fahren. Bis auf die Autobahn dort ist alles ungeteert. Das heißt die Strecke bis zum Meer ist eine fröhliche Holperfahrt durch unbetastete Landschaften. Die Küste von Chile ist unglaublich schön! Irgendwie wild, schroff und natürlich. Wir fahren von Dörfchen zu Dörfchen über irgendwelche Abenteuerliche Schotterstrecken und der Pater erweist sich als lebender Audio-Guide und erzählt uns zur Kultur und Geschichte jedes noch so kleine Detail. 
Nachdem der Morgendliche Nebel aufgerissen ist, eröffnet sich uns ein atemberaubender Blick auf Küste und Meer. Was am Anfang echt komisch war, ist, dass Chile hier Landschaftlich sich nicht sehr von Mitteleuropa abhebt. Die Kuhwiesen, welche ich fotografiert habe, könnten genau so in Deutschland sein. Aber seht selbst:







Tag 3

Eigentlich wollten wir an diesem Tag schon weiter nach Chiloé reisen, aber der Pater hat uns ein Angebot gemacht, das wir unmöglich ablehnen können. Um 17.00 hat er in Pucón eine Hochzeit, pucón ist mit dem auto so ca. 4-5 Stunden entfernt. Da könnten wir nach der Messe morgens hinfahren und abends wieder zurück. Und während er die Hochzeit hat würde er uns bei Pucón irgendwo rauslassen. Dieser Teil des Südens wird Seenlandschaft genannt, und bei Pucón liegt auch einer der bekanntesten (und aktivsten siehe aktuelle Narichten) Vulkane Chile. Klar dass wir da nicht nein sagen und unseren Aufenthalt verlängern. Die Hinfahrt dauert 6 Stunden, weil unser immer redender Audio-Guide irgendwelche Schleichwege fährt um uns die schönsten Blicke auf die wunderschöne Landschaft dort zu ermöglichen! Er lässt uns dann bei einem See oberhalb von Pucón raus und wir genießen einen wunderschön sonnigen und klaren Nachmittag an diesem See, der ein bisschen Norditalien oder Schweizfeeling aufkommen lässt.
Por fin kommen wir Nachts um halb 3 wieder in Osorno an, müde aber überglücklich diesen ort noch gesehen haben zu dürfen! Pucón wollte ich eigentlich noch einmal über ein verlängertes Wochenende anschauen - inklusive Vulkan. Dieser ist aber gestern ausgebrochen und die komplette Region ist gesperrt. Manchmal macht einem die Natur doch einfach einen Strich durch die Rechnung.